Komposition,
andere Wege in der Harmonielehre (Teil 1 von 3):
Das bestehende
Harmonielehre-Modell mit den entsprechenden Akkorden auf den Stufen I bis VII
ist eine
reichhaltige Quelle für kreatives Schreiben neuer Kompositionen. Jede Stufe hat
dabei genau einen Akkordtyp:
Die Erste Stufe (I) ist immer ein Major 7 Akkord.
Die Zweite Stufe (II) ist immer ein Moll 7 Akkord.
Die Dritte Stufe (III) ist immer ein Moll 7 Akkord.
Die Vierte Stufe (IV) ist immer ein Major 7 Akkord.
Die Fünfte Stufe (V) ist immer ein Dominat 7 Akkord.
Die Sechste Stufe (VI) ist immer ein Moll 7 Akkord.
Die Siebte Stufe (VII) ist immer ein Moll 7
b5 Akkord.
Es gibt dabei
viele Akkordprogressions-Klischees
die man nutzen kann, um darauf eine schöne Melodie zu setzen.
Man kann auch eine
beliebige andere Akkordfolge bzw. Progressionen nutzen die noch nicht ganz so abgenutzt
ist, dafür aber auch manchmal etwas sperrig klingen kann, wenn man keine gute
Stimmführung hat.
All das basiert
auf der Ionischen Skala. Natürlich kann man das auch auf eine andere Kirchentonleiter
anwenden (z.B. Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch oder Aeolisch), aber
das ist letzten Endes nur eine Verschiebung des Ionischen Anwendungsfalles.
Wenn man jetzt
aber weiter gehen will und noch nicht ganz so „ausgetrampelte“ Wege der
klassischen Harmonielehre gehen will, kommt man schnell nicht weiter.
Abhilfe schaffen
hier sicherlich die Zwischendominaten
(ZD), die einiges an „Würze“ in die Akkordfolge bringen. Dabei ist eine
Zwischendominante nichts anderes als ein Stufenakkord der umgewandelt wird in
einen Dominat 7 Akkord. Einzige Bedingung ist, das die Zwischendominante
auflöst (bzw. auflösen könnte) auf einen Stufenakkord in der bestehenden Tonart.
Das ist für die Stufen I, II, III, VI und VII der Fall. Die Vierte Stufe würde
in eine andere Tonart leiten und ist in dem Sinne daher keine Zwischendominate.
Auch die SUB V’s sind eine tolle Möglichkeit der
Gestaltung und bringen dabei richtig „Pfeffer“ in eine fade Komposition. Eine
SUB V ist lediglich ein Dominat-7-Akkord der chromatisch auf einen Stufenakkord
(einen Halbton tiefer) auflöst. Letztlich ist er abgeleitet von der Tritonus-Substitute einer Zwischendominaten,
daher auch der Name SUB V. Die IV-Stufe ist im dem Sinne daher eher als
Tritonus-Substitute (von VII 7) zu sehen und eben nicht als eine
Zwischendominate!
Die
Tritonus-Substitute ist ein eigenes Thema für sich, über das man schreiben
könnte. Sie ist im Jazz ganz wichtig und kommt dort oft zur Anwendung.
Auch das Konzept
des „Modal Interchange“ kann perlige
Farben in eine Komposition bringen. Hierbei wechselt man von den Akkorden der
Ausgangs-Kirchentonleiter in die Akkorde einer andere Kirchentonleiter (Grundton
bleibt identisch: Also z.B.: C ionisch Wechsel zu C aeolisch und meist wieder
zurück). Ein besseres Wort wäre changieren, weil man durch dieses Konzept die
Klangfarbe bzw. Atmosphäre der Komposition ändern bzw. modulieren kann.
Exemplarisch
nehmen wir mal an, das Lied ist in C Ionisch. Dann kann man auch die Akkorde
von C Dorisch (also z.B. C-7, G-7 und Bb maj7) in der Komposition verwenden.
Ebenso könnte man C Aeolisch Akkorde verwenden (Häufiger Anwendungsfall:
Anstatt F maj7 wird dann auch mal F-7 verwendet, meist sogar hintereinander).
Gleiches gilt für die anderen Kirchentonleitern. Damit hat man schon einen
ganzen „Sack voll Möglichkeiten“ neue und andere Wege zu beschreiten, die toll
klingen und trotzdem noch nicht so „ausgelatscht“ sind.
All das hatte auch
schon Anfang des 20. Jahrhunderts Einfluss in die Popularmusik genommen. Also
in Rock, Pop und natürlich Jazz. Mit Ausnahme der SUB V’s fußen alle
Harmoniewege auf den Kirchentonleitern. Aber es gibt ja noch mehr: Gerade, aber
nicht ausschließlich in der Sinti- und Roma-Musik findet man auch andere
Skalen, die dann sogar neue Typen an Akkorden hervorbringen, wie z.B. den
Moll-Maj-7-Akkord.
Aber darüber mehr
in Teil Zwei.
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über den Autor:
Sven Waida, Künstlername: Es°geht Waida, 01744063629, https://waidaweb.de
Klavier, Gitarre, Akkordeon, Woabong, Komposition & Improvisation
Geb.-Jahr: 1969; Geb.-Ort: Braunschweig; Wurzeln: Polnischer und Ungarischer Herkunft
Staatl. anerkannter Berufsmusiker: HF Klavier, NF Gesang und Drums